Mina Mondlilie in rotem Outfit auf bunter Yogamatte auf Holzboden
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Tools of Yoga: YouTube

Als Kind und Jungendliche wurde mir immer suggeriert, dass ich unsportlich sei. Woran genau man das bei mir fest gemacht hat, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich spielten Projektionen der Erwachsenen um mich dabei eine entscheidenen Rolle. Menschen erkennen sich so gern in anderen wieder, dass es ihnen schwerfällt etwas anderes zu akzeptieren. Irgendwann jedenfalls war das Urteil gefällt und ich habe mich ihm, ohne groß darüber nachzudenken, unterworfen. Seither war auch mein Urteil: Sport macht keinen Spaß und ist völlig überflüssig! Beim Kilometerlauf im Sportunterricht habe ich jammernd aufgegeben, den Stufenbarren laut verflucht und kam mir bei Ballsportarten immer irgendwie überflüssig vor. Die sportlichen Mädchen konnten alles, aber ich eben nicht – das sind wahrscheinlich die Gene, dachte ich. 

Aus heutiger Sicht war das ziemlicher Bullshit. Hätte ich meinen Hintern etwas mehr in Bewegung gesetzt, mich ernsthaft auf die eine oder andere Sportart eigelassen und hätte mir vielleicht jemand etwas Ermunterndes über Sport erzählt, hätte die Welt ganz anders aussehen können. Auch wenn ich es mit 16 vehement abgestritten hätte, ich kann ohne Probleme einen Kilometer rennen (sogar zwei oder mehr, ohne vorher zu trainieren). Mein Körper schafft das. Ich kann Muskeln aufbauen und Verspannungen selbst lösen. Ein tolles Gefühl, wenn man es ausprobiert. Ich habe es damals nicht geahnt, aber tatsächlich mag ich Sport sehr gern, es muss nur der richtige sein und sollte keinem Bewertungssystem unterliegen. 

Die große Wende kam für mich durch YouTube und Yoga – genau in dieser Kombination. Bis dahin hatte ich während des Studiums verschiedene Uni-Sportkurse belegt (Aerobic, Pilates, Kardiotraining u.s.w.), habe zwei Anläufe mit Fitnessstudio-Verträgen unternommen und immer mal wieder mit Jogging geliebäugelt. Nichts war von Dauer. Nichts konnte den Übergang in meinen Alltag finden. Spätestens wenn der Winter mit kaltem, dunklen Wetter um sich schlug, verging mir die Lust, für Sport die Wohnung zu verlassen. Doch dafür gab es eine ganz einfache Lösung. Das Internet.

Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wie ich auf den ersten Yoga-Kanal bei YouTube gekommen bin, aber damit hat es dann endlich Klick gemacht. Endlich hatte ich die Flexibilität, die mir den Wind für all die üblichen Ausreden aus den Segeln nahm. Ich konnte bestimmen wann, wie lang und zu welcher Art Training ich auf die Matte ging und so ist es bis heute. Habe ich nur 10 Minuten, mache ich nur 10 Minuten. Habe ich am Wochenende mehr Zeit, lasse ich mich auf etwas Längeres ein. Ich passe meinen Sport einfach meinem Alltag an. Ob es draußen regnet oder schneit, kann mir dabei herzlich egal sein. Ich kann mir einen Tee an die Matte stellen, bei schweren Übungen vor mich hin fluchen und mache mir um die Ästhetik so gar keine Gedanken. 

Jeder Tag startet bei mir mit Yoga und bereitet mich auf alles, was noch kommen mag, vor. Das Ergebnis ist erstaunlich. Nein! Ich habe kein Sixpack! Aber ich habe Muskeln aufgebaut, ich freue mich jeden Morgen auf die Bewegung und habe deutlich weniger Probleme mit meinem Rücken. Ich bin flexibler und stolz auf jede neue Position, die ich mir nach und nach erarbeite. Ich habe viel über meinen Körper gelernt – dass er viel mehr kann, als ich ihm zugetraut hätte, dass ich die Kraft habe, mich selbst zu halten und ein aufrechter stabiler Rücken mich wachsen lassen kann. Mein Körper und meine Haltung haben sich verändert und das merke ich nicht nur auf der Matte selbst. Ich gehe anders durch die Welt, mache mich nicht mehr klein und stehe fester mit meinen Beinen auf dem Boden. Stress bringt mich nicht mehr ins Wanken und der Respekt mir selbst gegenüber ist gewachsen. 

Sport kann ein machtvolles Instrument auf unserem Weg durch die Welt sein. Plattformen wie YouTube bieten zahlreiche und kostenlose Möglichkeiten, sich den individuell passenden Sport zu suchen, ob klassischer Muskelaufbau mit Gewichten, Kardiotraining, Yoga, Pilates… die Auswahl ist riesig. 

Bei meinem Aufruf zur körperlichen Ertüchtigung geht es mir nicht darum, den Körper zu optimieren oder sich in ein überflüssiges Schönheitsideal zu pressen, sondern sich selbst etwas Gutes zu tun, mehr über sich zu lernen und ein besseres Verhältnis zu sich selbst zu entwickeln. Sport stärkt uns auf unterschiedlichen Ebenen, macht uns stolz und bringt den Kopf in Bewegung. In diesem Sinn: Jeder Mensch ist sportlich! Jeder Mensch ist stark! Macht was draus!

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